Biografien-Datenbank: NS‑Dabeigewesene

NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ Kreis Hohenfelde

Ifflandstraße 8


Im Erdgeschoss wohnte der NS-Hago-Kreisamtsleiter Louis Bodenstab, ebenfalls im Erdgeschoss war der Verein für deutsche Schäferhunde ansässig; außerdem lebten dort der jüdische Arzt Dr. Gustav Hoffmann und seine Frau Gertrud (siehe ihre Biografien in der Publikation von Frauke Steinhäuser: Stolpersteine in Hamburg Hohenfelde. Biographische Spurensuche., Hamburg 2016.). Im ersten Stock wohnte das jüdische Ehepaar Ina und Louis Löwenthal (s. Biografien im Buch), neben ihnen auf derselben Etage ihre Tochter Hedwig, die dort auch Gymnastikkurse gab. Hedwig war KPD-Mitglied und in die Untergrundarbeit der Partei eingebunden. Ebenfalls im ersten Stock wohnten der jüdische Südfrüchte-Großhändler Josef Bertel, der dort zudem für seine Firma Bertel & Krebs ein Büro gemietet hatte, und seine Mutter Ruchle Bertel. Im dritten Stock lebten der jüdische Fabrikant Alfons Baruch und seine Frau Erna.

Spätestens Anfang 1935 zogen die „NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude“, Kreisamt Hohenfelde sowie die Hohenfelder Geschäftsstellen der DAF und der NS-Hago ins Erdgeschoss.Da war das Ehepaar Hoffmann in die Borgfelder Straße gezogen, auch der Schäferhunde-Verein hatte seinen Sitz nicht mehr in der Ifflandstraße 8. Ende 1935 floh Hedwig Löwenthal nach einer erneuten Verhaftung nach Italien, ihre Eltern Ina und Louis zogen im Frühjahr 1936 nach Eppendorf. 1937 wurden der jüdisch-orthodoxe Arzt Dr. Isaac Caro und seine Frau Regina Nachbarn des NSDAP-Funktionärs Bodenstab.

1939 zog für ein Jahr die NS-Schwesternschaft – die „Braunen Schwestern“ – in das durch die Arisierung seiner Südfrüchte-Großhandlung freigewordene Büro von Josef Bertel im ersten Stock. 1940 wohnte nur noch Ruchle Bertel in der Ifflandstraße, ihr Sohn war ausgezogen. Auch das Ehepaar Baruch lebte nicht mehr in dem Haus. Ende 1941 gelang es Isaac Caro, nach Kuba zu fliehen. Spätestens Anfang 1942 verließ auch Ruchle Bertel ihre Wohnung. Damit hatte das Haus Ifflandstraße 8 keine jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner mehr.
Text: Frauke Steinhäuser