August Glaser Paul August Hermann Glaser
(22. Januar 1886 in Geesthacht, Schleswig-Holstein – n.b.)
Klempner, Angestellter der Hamburger Gaswerke (HGW), Gasabfertigung
Adressen: Kleekamp 12, Hamburg-Fuhlsbüttel (1945); Binnenkamp 27, Reinfeld, Schleswig-Holstein (1952)
Wirkungsstätten: Hamburger Gaswerke GmbH, Zentrale, Kurze Mühren 22, Hamburg 1; Gaszählerwerkstatt der HGW, Suhrenkamp 71, Hamburg-Fuhlsbüttel
1900 besuchte er die Volksschule in Geesthacht.[1] 1904 legte er in Hamburg die Gesellenprüfung als Klempner mit „gut“ ab. Im Juli 1911 heiratete der inzwischen 25-jährige „Klempnergehülfe“ in Hamburg die gleichaltrige Margaretha Elisabetha Riebel aus Friedrichshafen.[2] Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor.
Im Ersten Weltkrieg wurde Glaser als Oberheizer bei der Marine mehrfach ausgezeichnet. Am 14. Dezember 1922 trat er in die Dienste der Hamburger Gaswerke (HGW), Abteilung Gaszählerabfertigung, und arbeitete in der Gaszählerwerkstatt der Betriebsstelle Hamburg-Fuhlsbüttel. Als Dienstjüngster und Verheirateter mit zwei Kindern wurde er laut eigenen Angaben im März 1931 zur Störungsstelle Kurze Mühren in der Hamburger Innenstadt versetzt. Am 15. Juli 1933 kam er wieder zurück zur Gaszählerabfertigung in Fuhlsbüttel und wurde am 1. November 1933 zum technischen Angestellten befördert. Aufgrund seines Alters nahm er nicht am Zweiten Weltkrieg teil. Glasers Frau und der älteste Sohn kamen am 27./28. Juli 1943 in Hamburg bei alliierten Bombenangriffen ums Leben. Die Wohnung der Familie am Bullerdeich in Hamburg-Hammerbrook wurde ebenfalls zerstört.
Am 20. August 1945 wurde Glaser aus politischen Gründen auf Anweisung der britischen Militärregierung entlassen. Laut seinem Entnazifizierungsbogen war er ab dem 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 3007557)[3] sowie ab dem 1. Januar 1934 Blockleiter des politischen Korps der Partei gewesen, außerdem hatte er der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), der Deutschen Arbeitsfront (DAF) und ab 1938 auch dem Reichsluftschutzbund angehört.[4] Vor 1933 sei er Mitglied der SPD gewesen, gab Glaser zudem an.
Nach seiner Entlassung bei den HGW arbeitete Glaser ab Mitte September 1945 als Klempner bei der Hamburger Baufirma Steckmeister & Co., bevor ihn im Januar 1947 die Royal Air Force am Flughafen in Hamburg-Fuhlsbüttel als Rohrschlosser im Heizungswesen („Pipe Fitter“) engagierte. Im März 1947 legte er Einspruch gegen seine Entlassung und Einstufung in Kategorie IV ein. Im Zuge des Verfahrens sagte der Betriebsrat der HGW-Arbeitsstelle in Fuhlsbüttel im Februar 1948 aus, Glaser sei „als Aktivist hervorgetreten“ und „gleich am ersten Tag des Umsturzes in voller Uniform“ zum Dienst erschienen, ansonsten sei aber nichts Nachteiliges über ihn bekannt. Der Fachausschuss lehnte daraufhin im März 1948 eine Wiedereinstellung des „33iger Pg.“ in den öffentlichen Dienst ab und verhängte zudem eine Vermögenssperre. Glasers erneutem Einspruch gab der Berufungsausschuss (BA) am 16. Juni 1949 statt und stufte ihn in Kategorie V ein. Für den BA erschien die „formale Belastung“ Glasers „nicht derart schwerwiegend“, dass sie einer Wiedereinstellung widerspreche. Der BA überließ es der HGW, den zu diesem Zeitpunkt 63-Jährigen sofort oder erst mit Erreichen des 65. Lebensjahrs zu pensionieren.
Unter Berufung auf diesen Entnazifizierungsbescheid verklagte Glaser die HGW vor dem Arbeitsgericht Hamburg und verlangte, ihm auszurechnen, wie hoch seine Pension ab Januar 1951 sein würde. Die Stadt bzw. die HGW weigerten sich mit der Begründung, dass Glaser im August 1945 entlassen worden und zu dem Zeitpunkt weder dienstunfähig noch pensionsberechtigt gewesen sei. Das Arbeitsgericht gab der Klage von Glaser, der im Januar 1951 das 65. Lebensjahr vollendete und von Rechtsanwalt Wilhelm Purucker vertreten wurde, im Oktober 1951 statt. Gegen dieses Urteil legten nun die Stadt bzw. die HGW, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Hermann Breiholdt, Berufung ein. Mit Urteilsspruch vom 28. November 1952 kassierte das Landesarbeitsgericht Hamburg die Entscheidung der Vorinstanz und wies Glasers Klage ab.[5