Hermann Hartmeyer Alfred Victor Hermann Hartmeyer
(1875 ‒ 1965)
Verleger
Speersort 11 (alte Hausnummerierung, heute hier Speersort 1 „Pressehaus/Helmut-Schmidt-Haus“
Hermann Hartmeyer war der Verleger der Verlagsanstalt und Druckerei "Hermann's Erben". Gegründet wurde die Firma von dem Kaufmann, Buchdrucker und Verleger Johann Heinrich Hermann (1750-1821). Dieser
war mit seinem Comptoir 1786 an den – wie er heute heißt – Alten Fischmarkt 10 – gezogen. Noch im selben Jahr brachte er die Publikation „Neues Hamburgisches Addres-Buch auf das Jahr 1787“ heraus. In dieser Veröffentlichung wurden in alphabetischer Reihenfolge die Namen und Adressen der in Hamburg ansässigen Geschäftsleute aufgeführt. Später kamen die Adressen der Hamburger Bewohnenden sowie Institutionen etc. hinzu.
„1798 erhielt Hermann vom Hamburger Senat das Privileg zur alleinigen Herausgabe des hamburgischen Adressbuchs, und von 1789 bis 1802 druckte Hermann in einem separaten Abschnitt zusätzlich auch „Altonaer Adressen“. Das Hamburger Adressbuch erschien bis 1966 (nach 1939 bei Dumrath & Fassnacht).“1)
Nachdem Johann Heinrich Hermann 1821 verstorben war, übernahm sein Schwiegersohn Ambrosius Heinrich Hartmeyer (1786–1855) den Verlag, der nun unter dem Namen „Hermann’s Erben“ firmierte. „1852 folgte dessen Sohn, der Advokat Heinrich Emil Hartmeyer nach. Der Firmensitz wurde 1884/1885 vom Fischmarkt 10 zum Speersort 11 verlegt. 1903 übernahm der Enkel Alfred Victor Hermann Hartmeyer (1875–1965) das Unternehmen.“2)
Das Unternehmen „Hermanns’s Erben“, in dem mehrere hundert Angestellte arbeiteten, fungierte ab 1919 zum Beispiel auch als Buch- und Seedienstverlag mit Schiffsjahrbuch und gab zwischen 1919 und 1923 die „Industrie- und Gewerbezeitung“ sowie 1922 das „Übersee-Jahrbuch“ heraus.
Herausgeber der „Hamburger Nachrichten“
„Hermann’s Erben“ gab von 1849 bis 1939 die „Hamburger Nachrichten“ heraus, eine Morgenzeitung für Politik, Handel und Schifffahrt. Ab 1876 erschien sie mit einer Morgen- und einer Abendausgabe.
Ihr Vorläufer war das ab 1792 erschienene Intelligenzblatt, ein Anzeigenblatt mit Meldungen, Artikeln und Nachrichten. Von 1793 bis 1849 hieß das Blatt „Privilegirte wöchentlich gemeinnützige Nachrichten von und für Hamburg“.
In die Zeit als Emil Hartmeyer Chefredakteur war, fällt der Rücktritt Otto von Bismarck als Reichskanzler. Die „Hamburger Nachrichten“ wurden sein Sprachrohr.
„Der politische Redakteur des Blattes Hermann Hofmann suchte den Altkanzler regelmäßig in Friedrichsruh auf und protokollierte dessen Vorträge. Anschließend erschienen sie als gegen den Neuen Kurs gerichtete Artikel in der Zeitung, ohne jemals in Bismarcks Namen gezeichnet zu sein.“ 3)
Die „Hamburger Nachrichten“ sollen „im Vormärz noch ein dezidiert liberales Blatt und am linken Rand der Nationalliberalen Partei situiert [gewesen sein, dann aber] nahm sie im Kaiserreich immer deutlicher monarchistische Züge an. (…) Während der 1920er Jahre driftete die Zeitung immer mehr an den rechtskonservativen Flügel, äußerte sich häufig antisemitisch und radikal SPD-feindlich, bis sie sich ab September 1930 bewusst als nationalsozialistisch definierte,“ 4) heißt es auf der Website Hamburger Persönlichkeiten der Stiftung Historische Museen Hamburg.
- L. Köster schreibt über die „Hamburger Nachrichten“. „Das Blatt war politisch rechtsnational-liberal, scharf gegen Sozialismus eingestellt, es verteidigte lebhaft die Arbeitgeberinteressen, im Kulturkampf Gegner gegen den Ultramontanismus. Seit 1891 stellte das Blatt Bismarck seine Spalten zu Verfügung. Schon vorher hatte es sich – abgesehen von der Freihafenfrage – ganz zu Bismarcks Politik bekannt, auch zu seiner Kolonial- und Wirtschaftspolitik:“ 5)
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 trat Alfred Victor Hermann Hartmeyer zum 1.5.1933 in die NSDAP ein und wurde nach 1933 Vorstandsmitglied der gleichgeschalteten Buchdruckerinnung in Hamburg. 6)
Da in der NS-Zeit viele Inserenten der „Hamburger Nachrichten“ zur NSDAP-Parteizeitung „Hamburger Tageblatt“ (siehe Station 26) abwanderten, stellten die Nationalsozialisten aus „kommerziellen und ökonomischen Gründen (…) die Zeitung am 9. März 1939 ein und legten das Blatt mit der NSDAP-Parteizeitung, dem ‚Hamburger Tageblatt‘, zusammen.“7)
Ulrich Hagenah schreibt über die Situation des Verlages in der NS-Zeit: 1939 ging der Verlag „gezwungenermaßen an die Gruppe Dumrath und Fassnacht über (…). Der konservative Verlagsleiter Dr. Alfred Victor Hermann Hartmeyer war in weltanschauliche Konflikte mit den Nationalsozialisten geraten. Mit Hilfe des Reichsverbandes der Adressbuchverleger, der der Reichsschrifttumskammer unterstand, und eines Gerichtsverfahrens wurde 1939 Hartmeyer gezwungen, den Verlag weit unter Wert an die Unternehmensgruppe Dumrath und Fassnacht zu verkaufen. Das Haus am Speersort wurde enteignet, abgerissen und durch den Neubau des ‚Pressehauses‘ ersetzt. Der Prozess wurde 1952 wieder aufgenommen und mit einem Vergleich abgeschlossen. Dumrath und Fassnacht blieben Verleger des Hamburger Adressbuches bis zu seinem Ende 1966.“ 8)